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Bericht

Zugegeben, es ist schon lange her. Vermutlich erinnert sich kaum noch jemanddaran. Auch hätte dieser Artikel eigentlich schon im letzten Jahr veröffentlicht werden müssen, wurde er aber nicht, so dass mir jetzt dieseEhre zuteilgekommen ist.

Der Titel Nachruf verrät schon, dass es sich um einen Trauerfall, ja einen herben Verlust für die gesamte Kappelner Jugend, dreht. Es geht um eineInstitution, die, über Generationen hinweg, Begeisterung, Freude und vor allem Stil miteinander verband. Ja, es war ein Ort an dem man sich von jeglichen Strapazen des (Schul-) Alltags erholen konnte. Dort konnte man sicher sein, dassMelissa Etheridge, Katherina & the waves und natürlich die Blues Brothersimmer Freitags auf der Tanzfläche anzutreffen waren; und sind wir doch malehrlich: Wo kann man so etwas heutzutage noch erleben? Ich denke inzwischen hates jeder mitbekommen: Es geht um die Eule. Jene Diskothek, die im Sommer letzten Jahres, wenn auch nicht überraschend, ihre Pforten schloss; uns allein ließmit dem Freitag-Abend-Party-Programm und mit einer Disco im anderen Wald, beider ich es mir allerdings verbiete von einer Alternative zu sprechen. Amfehlenden Gäste-Potential lag es also nicht, dass die Eule ihren Betriebeinstellen musste. Vielmehr erschien mir die Politik der Besitzer alsfragwürdig. Während für neue Lichteffekte, Musikanlagen oder sonstigeInnenausstattungen kein Pfennig investiert wurde, hob man die Eintrittspreise auf bis zu 7 DM an. Die Musik änderte sich auch nach zwanzig Jahren nicht, was zwar einerseits den Reiz der Eule ausmachte, andererseits aber auch neue jungeKunden abschreckte. Mein Gott, es gibt doch auch so viel tolle neuere Musik, dienicht Techno heißt und in ein alternativeres Programm voll reinpasst. Stattdessen aber blieb die Eule auf ihren dreißig Liedern, die sie jedenFreitag, in abwechselnder Reihenfolge natürlich, runterleierte. Als dann der Fuchs ins Wassermühlenholz kam, war’s mit den neuen Gästen völlig aus. Die Älteren gingen lieber nach Flensburg oder Kiel (ja, da gibt’s auch Discos),wo der Eintritt nur 5 DM kostet, und die Tanzfläche dreimal so groß ist. Warum aber dann diese Trauerstimmung am Anfang des Artikels? Weil die Eule etwashatte, was der Fuchs uns nicht bieten kann: Charakter und links-ländlicheAtmosphäre. Dort trafen sich der Punk aus Flensburg und der stolze Bauer aus Esgruß, der Skater aus Süder und Norbert Kontorhaus aus Kappeln. Dort war esnicht entscheidend einen Oberarmumfang von 55cm zu haben oder einen Mini-Rock,bei dem man sich fragt ob es nicht vielleicht doch noch ein Gürtel ist. Dort gehörte man mit 16 Jahren noch nicht zu den Älteren und niemand störte sichdaran, wenn die Schallplatte auf dem Teller auf einmal einen Sprung hatte. Die Türsteher waren zwar unfreundlich aber keine Tiere, es gab kein höhergestelltes Geländer für die Poser ohne Partner, und der DJ spielte nochPlatten und Cds statt MP3s. Dämliche „Ich-bin-der-DJ-kann-nicht-bis-3-zählen-und-versuche-Euch-auf-mein-Niveau-zu-bringen"-Zwischenansagen gab’s auch nicht, stattdessen jede Menge „Sweet home,Alabama", „Girls just want to have fun", „Sex machine" und„Sunday bloody sunday". Die hölzerne Raumausstattung und die Tatsache,dass 80% der Gäste sich untereinander kannten trugen zur Stimmung mit bei, undmachten den oben erwähnten Charakter der Eule aus.

Doch Schluss mit derV ergangenheitsbeweinerei; werfen wir einen Blick nachvorn. Was hat die Jugend Kappelns, die noch nicht von der Tollwut befallen ist,also noch für Perspektiven?

Zum Einen kann ich raten sich möglichst schnell einen Führerschein und/oder ein Auto zu besorgen und die schönen Metropolen Schleswig-Holsteins auf ihrNachtleben zu überprüfen, zum Anderen kann ich, zumindest im Sommer, Partys unter dem Neubau der Schule sehr empfehlen. Mit Ghetto-Blaster und Grill sorgtdas für optimale Sommerstimmung, und außerdem wirkt die Schule aus dieser Sicht auf einmal richtig sympathisch. Zum guten Schluss habe ich noch eineAnmerkung zu machen. Denkt immer daran: Das Wahrzeichen der Schule ist kein Fuchs, sondern eine Eule...

Nis Kötting