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Bericht

Nachdem wir unsere erste Studienfahrt begeistert gemeistert hatten, beschloss der harte Kern des Jahrgangs diesmal Richtung Norden aufzubrechen. Diese Tatsache alleine erscheint noch nicht sonderlich interessant, aber völlig unbewusst lösten wir damit einen Trend aus, der eindeutig für die Hausse der Automobil-Aktien sorgte.

Alles begann am 16. Oktober 1999. Fünf Autos standen bereit:

I. Mercedes 200 D: Jörn B., Sandy, Niels, Sebastian

II. Audi 100 2.3: Inga, Wilhelm, Anna, Birte

III. Ford Fiesta 1.3 mit Sportfahrwerk: Maik, Hauke, Nis

IV. VW Passat D: Thomas, Malte, Lars, Arne

V. VW Passat D & Anhänger: Jette, Nils, Sabrina, Sem

Bei der ersten Rast eben hinter der Deutschen Grenze lagen bei Malte schon die Nerven blank: Er hatte kurz zuvor die Führung über Wagen IV übernommen und bei dem ersten Bremsversuch beschlich ihn das ungute Gefühl, in einer rasenden Zeitbombe zu sitzen. Sein hysterisches Gekreische wurde von dem Hot-Dog speisenden Rest nur müde belächelt und die Ursache von dem Fahrzeugeigner als „Elektronikfehler" abgetan.

Während des Kolonnefahrens wurden schon mehrmals Bedenken ob des geringen Abstandes einiger Mercedes 200 D Fahrer der Gruppe argwöhnisch geäußert. Als in Wagen IV ein weiterer „Elektronikfehler" (Thomas) für blankes Entsetzen sorgte, erreichte der Konvoi das bis dahin unbekannte Dorf Lind. Böse Zungen würden es im Nachhinein nicht als Zufall abtun, dass Wilhelm (jetzt Fahrer von Wagen II) sich für seine Vollbremsung gerade einen Straßenabschnitt mit Blick auf die nun weltbekannte „Lind-Bageri" aussuchte. Er selbst wagte später zu behaupten, die Ursache dafür wäre das allzu scharfe Bremsen seiner Vorderfrau aufgrund einer 200m entfernten Ampel gewesen. Maik meinte sich, Wagen III und seine Mitfahrer mit einem beherzten Tritt auf das Bremspedal retten zu können. Doch weit gefehlt. Jörns Worte, die später von einer einschlägig bekannten Internetfirma als Werbeslogan aufgegriffen werden sollten („Hääää?! Bin ich da schon drin, oder was? - das ist ja einfach!"), gaben seine eigene Reaktionsfähigkeit treffend wieder. Er war trotz des oben genannten (Sicherheits-) Abstandes erstaunlicherweise erst zum Stehen gekommen, als er schon tief in den Kofferraum von Wagen III vorgedrungen war. Doch als ob die Versicherung durch diesen Schadensfall nicht schon genug Kosten gehabt hätte, musste Sie auch noch für den Abdruck, den Wagen III, touchiert von Wagen I, in Wagen II hinterlassen hatte, aufkommen.

Zwischenbilanz: Wagen I außer Gefecht, Wagen II trotz Heckschadens weiterhin einsatzbereit, Wagen III Totalschaden und bei Wagen IV stellten sich die von Thomas gepredigten „Elektronikfehler" als Leck in der Bremsanlage heraus. Für Wagen V hatte der Grundgütige eine besondere Vorsehung, doch dazu später mehr...

Nach einem zwangsläufigen Aufenthalt beim Falck Redningskorps (~ dän. ADAC) und schier endlos erscheinendem Aus-, Hin-, Her-, Be- und Entladen, erreichten alle wider Erwarten ihr gebuchtes Sommerhaus.

Die Woche dort verlief, wie es sich für einen 13. Jahrgang gebührt, doch darauf näher einzugehen, wäre hier nicht angemessen. Der Vollständigkeit halber bliebe lediglich folgendes zu erwähnen: Beide nach äquatorialen Winden benannten Fahrzeuge ernteten mit kritischem Öl- und Kühlwasserverlust allgemeines Unverständnis. Diese kleinen Hindernisse mit Bravour gemeistert, machten wir uns dann auf den Rückweg.

Schon nach wenigen Kilometern verlor Lars, der bisher über Thomas‘ unbekümmerte Einstellung zur Autowartung großzügig hinweggesehen hatte, die Beherrschung, da die Warnleuchten der Armaturentafel einem Leuchtfeuerwerk der Extraklasse glichen. Des Weiteren schoss auch noch zu allem Überfluss die Motortemperatur über alarmierende Werte hinaus. Dass die Mitfahrer sich über seine Fahrweise, nämlich nicht mehr auf die Straße, sondern nur noch auf die Temperaturanzeige zu schauen, ereiferten, stieß bei Thomas auf bloßes Unverständnis. Um seinem Wagen die nötige Ruhe zu gönnen, preschte der Fahrer vor und trennte somit die Kolonne.

Während die eine Hälfte bei McDonald’s das bis dahin Geschehene und das weitere Vorgehen diskutierte, rief der Allmächtige nicht weiter als 500m entfernt nach Wagen III jetzt auch Wagen V zu sich, indem er einen Dänen Jettes Weg kreuzen ließ.

Es bleibt uns an dieser Stelle nur für das sofortige Herbeieilen von Frau Steckmest und Herrn Raav, das tapfere Verhalten sämtlicher Fahrzeughalter, sowie die unkomplizierte Geberlaune der Versicherungen zu danken.

Der aufmerksame Leser wird jetzt sicherlich den Trend erkannt haben, den unsere daheimgebliebenen Mitschüler begeistert aufnahmen und so enorme Erfolge vorzuweisen haben.

Wilhelm, Lars und Hauke