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BerichtBild

Louis et son cours de luxe
M. Hartwig als Louis de Funes
Anna Konrad als Mme en Blanc (aus "Le Blé en Herbe")
Antoinette Pusch als Mélu (aus "Bambois la vie verte")

Berit Höck als
Poussy (aus "La Grande Vie")
Boris Gilsdorff als Phil (aus "Le Blé en Herbe")
Jette Prüß als Pompiste (aus "la condition de la femme")
Moritz Helmchen als Giton (aus "Les Caractères de La Bruyère")
Sandy Raav als Vinca (aus "Le Blé en Herbe")
Susan Alsen als Pouce (aus "La Grande Vie")
Sandra als Marianne (französische Vorzeigefrau)

Rotgeränderte Augen, ein nach Wasser lächzender Körper und ein dicker Rotweinschädel nach exzessivem vorangegangenem LK-Treffen konnten Louis nicht davon abhalten seine trotz Pfeifbesänftigungen schnarchende Frau zu verlassen und sich in das Zentrum konzentrierten Wissens zu begeben. Obwohl er mit den Gedanken noch immer bei dem Wohlbefinden seiner Kohlpflänzchen war, bestieg er seinen Drahtesel (aufgrund fahrlässigen Fahrfehlers pas de voiture). Nach den üblichen Begrüßungsritualien (natürlichen de la facon francaise) mit Marianne an der Tür seines Schicksals angekommen, empfing sie das übliche Bild: Pompiste mal wieder am pennen, da eheliche Pflichten ihr letzte Nacht jeglichen Schlaf raubten (staubsaugen, Tankstelle auftanken, Bier holen etc.). Giton, mit den Gedanken bei Pompiste und den Augen in ihrem Dekolleté. Mme en Blanc und Pouce befinden sich derweilen im aktiven Briefverkehr, der sich wie gewöhnlich mit den Intimitäten des letzten Wochenendes beschäftigt. Derweilen Poussy von dem "grande vie" der meerumschlungenen Liebesnächte in den noch heißen Grotten Südfrankreichs träumt. Mélu häkelt indessen die Sommermode für das kommende Jahr. Vinca stehen die Tränen in den Augen, als das Lineal auf ihrem Pult sie mit einem stechenden Schmerz an ihren geliebten Phil im Mathe-LK erinnert.

Nichtsdestotrotz gesellen sich die beiden Leerkörper zu der munteren Gesprächsrunde, ohne zu wissen, dass dieser Tag alles verändern würde. Louis hatte sich für den heutigen Tag vorgenommen mit einem innovativen und äußerst phantasievollen Thema alles bisher Dagewesene in den Schatten zu stellen: LES ÉTRANGERS. Doch Pompistes gähnende Bemerkung: "Könn' wir nich' 'n Film gucken?" zerstörte alsbald diese Illusion. So brachte Louis es in seiner Gutmütigkeit nur noch dazu nach der schriftlichen Hausaufgabe zu fragen, woraufhin Giton plötzlich auf unerklärliche Weise verschwunden war. Mitten in dieses Tohuwabohu platzte auf einmal auf seine äußerst charmante Art Phil mit den Worten: "Hadde 'n Träcker vor mir!" herein. Louis darauf: "Wadde madde dudde hier?" Nach einem sehnsuchtsvollen Schmachtblickwechsel zwischen Vinca und Phil meinte dieser: "Ich bin hier, weil ich ohne dich, Vinca, nicht mehr sein will, dafür verlasse ich sogar Herrn Schleschka."

Ohne Murren seinen neuen Schützling aufnehmend, begeben sich alle (Giton war auf erstaunliche Weise wieder aufgetaucht) ins Sprachlabor, um einen erneutes Highlight aus M. Louis Spontanfilmkollektion zu genießen.

Unglücklicherweise gingen Vinca Phils gierige Blicke im geschützten Dunkel des Sprachlabores doch etwas zu weit, so dass sie sich lieber fernab von Phils Reichweite zu Pouce und Poussy setzte. Darauf schien Mme en Blanc nur gewartet zu haben, denn während Gitons Annäherungsversuche an Pompiste bestenfalls begähnt wurden, ging Mme en Blanc nun in die Vollen. Um Phil in einen Zustand gleicher Extase zu versetzten, zauberte sie einen Eiswürfel hervor und ließ ihn langsam und lasziv aus ihrem vollen Mund über ihren filigranen Hals gleiten. Phil, qui est dépendant de ses pulsions, konnte diesem Anblick nicht mehr widerstehen und begann sogleich auf das Liebesspiel einzugehen, und sie liebten sich im Archivraum; Vinca war ihm scheißegal.

Diese sah indessen weiter das Meisterwerk über das Landleben auf einer romantischen Farm an der französischen Côte d'Azur. Dieser emotional aufreibende Film konnte nicht ohne Folgen bleiben. Denn Pouce und Poussy sahen ihre Chance für einen Neubeginn, schnappten sich ohne zu zögern die wichtigsten Reiseutensilien (Schönschreibheft und Tintenfässchen) und schlichen sich hinaus. Nun konnte ihr "grande vie" beginnen (Problem: kein Geld - kein "grande vie"). Auch Mélu war nach über 3000 Französisch-Vokabeln des Lernens mehr als überdrüssig und ließ sich durch das euphemistisch dargestellte Landleben inspirieren. Weder Louis' Unterrichtsmaterial von antikem Wert (gewalzte Kopien auf vergilbtem Papier), noch seine Klausurbesprechungen auf DIN A7 Notizzettelchen, konnten Mélu jetzt noch von ihrem Entschluss, von nun an ein alternatives Leben, umgeben von Schafen und Gehäkeltem, zu führen, abhalten.

Nachdem jegliche Versuche Gitons Pompiste mit seinem Charm zu verführen gescheitert waren, war es mit seiner Geduld am Ende: "Was fällt dir ein, den Willen eines Mannes, noch dazu eines Mannes meines Kalibers, zu verschmähen?!" Im selben Augenblick durchdringt ein ohrenbetäubendes Gewinsel das Dunkel des Sprachlabors. Vinca wollte, damit sie den Film überhaupt verstehen konnte, ein Wörterbuch aus dem Archivraum holen, als sie ... AAAAAHHHHHHH! Das war zuviel weibisches Getue für den armen Giton. In einem letzten Anfall von männlichem Brunftgeschrei, verlässt er den Raum. Pompiste, der als Anhängerin der deutschen Feministen Vereinigung, solch niedere Anfälle der Männerwelt nichts anhaben konnten, rettet die Situation und flieht ebenfalls mit der noch weinenden Vinca von diesem schicksalsschweren Ort.

Als Louis am Ende der Stunde das Licht anmachte, stellte er zunächst erschrocken fest, dass er sich mit Marianne ganz alleine im Raum befand. Doch dann erkannte er, wenn auch mit einer Träne im Knopfloch, dass nun wohl die Zeit gekommen war, da seine acht Sprösslinge auf die Suche nach ihrem eigenem "grande vie" gehen mussten.

LA FIN

Herr Hartwig, enfin nous voulons vous remercier pour deux ans formidables de Francais, desquelles nous avons vraiment joui.