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Anfang des 12. Jahrgangs fanden sich noch neun Unerschrockene bereit, das antike Projekt der lateinischen Sprache auch beim Direktor der Schule zu wagen. Der ursprünglich geschlechtsspezifisch ausgewogene Kreis von neun Schülern und Lehrer wurde nach den ersten acht Wochen mit Petra und Melanie ergänzt und erfüllte so Gleichstellungsrichtlinien im Übermaß. Magister Jatzkowski ließ sich trotz weiblicher Überzahl nicht verunsichern und setzte sich kühn über altrömische Tradition von der Ansicht, dass Frau zu blöd für Politik und Philosophie und daher von diesen Bereichen ausgeschlossen ist, hinweg. Angetrieben von antiker Begeisterung, sprühte er nur so vor Tatendrang, römisches Gedankengut uns näherzubringen, im Glauben gleichgültige Schülerseelen zu erlösen. Dieser starke Glaube war und ist ein Phänomen: Er glaubt unerschütterlich an nahezu alles: an Rom, an die lateinische Sprache, an die Stoa und Cicero, an seine Schule mit ihren Lehrern, an den Sport Volleyball, an die Modernität der deutschen Bahn, an die Frau, auch an seine und ... Grundgütiger!... an uns Schüler. Was haben wir in der Folgezeit nicht alles versucht, um dieses realitätsferne Wesen zu demotivieren, um diesem unbegrenzten Optimismus Einhalt zu gebieten! Da war z.B. Christian S., felsenfest von seiner Theorie überzeugt, ihn durch unzähliges Attackieren mit Fragen kleinzukriegen. Keiner konnte so penetrant brillant hinter jedem Aussagesatz und jeder Übersetzung ein „oder?" nachstellen und die Stimme leicht anheben, während wirkliche Fragesätze pflichtbewusst ignoriert wurden. Was passierte? Nichts! Oder Maivi S., die nachts bewusst kein Auge zumachte, nur um dann dem magister am nächsten Morgen mit höchstmöglich noch vorhandener Energie, weit aufgerissenen Mundwinkeln und halbverschlossenen Augen ihren mündlichen Beitrag abzuliefern: Gääähnnnn! Björn H. zeichnete sich durch konsequente Übermüdung beider Arme aus, deren Anheben als gefährlicher Kraftakt nach gestrigem Bizeps-Training und späterem Muskelkater angesehen wurde. ... Und? Wieder passierte nix! Ein Glauben von stoischer Natur. So kamen wir im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis, einer alleine kann hier nicht viel ausrichten, Zweckverbände müssten errichtet werden. Petra und Jenny kapitulierten jedoch vor so viel Naivität eines Lehrers und verließen uns nach einem Jahr in die Berufswelt. Thomas S., Christian S. und Wilhelm T. versuchten nun in gemeinsamer Aktion, Schulstunden eigenmächtig zu verkürzen, das Einführen des universitären cum tempore war ihre geniale Zauberformel für seine Kapitulation. Erfolg? Donnerwetter, zum Teil schon: Er reagierte gereizt, des magisters idealistischer Schülerglauben geriet ins Wanken. Nach angedrohtem Strafvollzug wechselten wir siegessicher ein letztes Mal die Taktik: Die quadrigae Melanie K., Birte S., Esther R. und Judith P. kennzeichnete sich kurz vor dem Abitur durch geschickte Vergesslichkeit banalster Vokabeln und kürzlich erlernter Grammatikstrukturen sowie durch herrlich gespielte Panikattacken, wie: „Ich kann überhaupt nichts mehr, alles ist so schwierig!" aus. Zudem schöpften wir Hoffnung bei den vierteljährig stattfindenden Kurstreffen im Hause Jatzkowski, wo reichhaltiges Essen mit nahezu noch köstlicherem Rotwein begossen wurde: Denn hier heizte unser Lehrer mit Sätzen, wie: „Ach was, Wein ist doch kein Alkohol!" ordentlich ein und kompensierte eventuell erlittene Führungs- und Glaubensschwäche in seiner Schule mit verstärkter Aktivität beim Bahn- und Güterverkehr in seiner Garage mit Mütze auf dem Kopf und Kelle in der Hand. Doch endete diese Laune jäh, denn mit seinem Lebensmotto: „Von allem nur in Maßen (ne quid nimis!)" erhielt der Alkoholkonsum eine Jatzkowski’sche Begrenzung.

Alles umsonst, sein Glaube an die Fähigkeit seiner Schüler blieb! Verzweifelt blieb uns nichts anderes übrig, als uns zu fügen, begann sein Unterrichtskonzept doch Wirkung zu zeigen: Nach erfolgreichem Abitur sind wir nun alle restlos davon überzeugt: Latein ist wirklich einfach, Cicero lesenswert und Seneca super und wir sind die besten und begnadesten Schüler, die es gibt! Unser magister hat es nicht anders gewollt, aber gerade dafür danken wir ihm sehr!

Thomas