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Das geschulte Mathematikerauge erkennt schon mit flüchtigem Blick, dass es sich bei dem Term


um eine trigonometrische Funktion handelt und sich die Stimmung des Mathekurses hierin wiederspiegelt.

Doch wie konnte es zu einem solchen Funktionsterm kommen? Hier einige Erklärungsversuche für die doch stark unterschiedlichen Steigungen innerhalb der Intervallgrenzen:

[21.8.98;26.9.98] Diese Phase lässt sich zweifelsohne als Kennenlernperiode bis zur ersten Klausur definieren. Beide Seiten konnten sich ohne Probleme aufeinander einstellen, ja, es kündigten sich sogar Vorzeichen für zwei äußerst heitere Jahre an. Verwunderlich war nur, dass unsere neue Lehrkraft den offensichtlichen Übermut des Kurses schon in dieser Phase durch unverblümte Hinweise wie z.B. „Mathematik ist einer der schwierigsten LKs, die es gibt" zu Dämpfen versuchte.

]26.9.98;9.11.98] Unglaublich: Das sich bereits auf unheilvolle Art andeutende Klausurergebnis führte am 9. November, dem Tag der Rückgabe, der unglücklicherweise auch noch mit der Bekanntgabe der mündlichen Zensuren zusammenfiel, zum absoluten Tiefpunkt. Die Antwort des Kursleiters auf unsere Bestürzung lautete: „Wieso? Was habt Ihr denn? Is‘ doch normal: 15 Punkte sind für Gott, 14 sind übermenschlich und 13 sind für’n Mathelehrer!" In den Augen einiger war diese Ansicht einfach zu mittelalterlich. So wagte der daraufhin um fünf Personen – oder wie der Pädagoge in schwelgender Erinnerung an seine Studententage zu witzeln pflegte: „um fünf Örper1 (höhöhö)" – dezimierte Kurs einen Neuanfang.

]9.11.98;24.11.99] Dieses zugegeben doch etwas lange Intervall lässt sich ganz einfach erklären: Es stellte sich jetzt das völlig normale Oberstufenkursleben ein. Der Neuanfang war offensichtlich geglückt und der Kurs entwickelte sich immer besser: Die langen Lernperioden, die uns auf unser Abi vorbereiten sollten, wurden nicht selten durch erkenntnisreiche Ausrufe wie z.B. „Herr Schleschka, Herr Schleschka, es schneit! Hurra, der erste Schnee!" oder Handyklingeln unterbrochen. Man kann das Kursklima in dieser Zeit dennoch nur als äußerst harmonisch bezeichnen. Sämtliche Themen wurden begeistert von der hochmotivierten Lerngruppe aufgenommen. Diesen beispielhaften Fleiß, der sogar soweit führte, dass einige Kursmitglieder sich gewisse Sachverhalte „zu Hause noch einmal angucken" wollten, belohnte der Lehrmeister auf zweierlei Art. Es wurden uns diverse horizonterweiternde Reisen in Aussicht gestellt, welche allerdings bis Redaktionsschluss aufgrund innerschulischer Widerstände nicht durchgeführt werden konnten. In die Tat umgesetzt wurde hingegen häufig das zweite Versprechen: abendliche und z.T. auch nächtliche Zusammenkünfte. Der Grund für den absoluten Stimmungshochpunkt lässt sich der Schülerumfrage „Welcher Kurs feiert die folgenschwersten Kurstreffen?" entnehmen.

]24.11.99;7.4.00] Das nun folgende Charakteristikum des Graphen Stimmung(t) ist schwieriger zu erklären. Mit immer näher heranrückendem Abiturtermin wurde die Atmosphäre immer aufgekratzter, woraus sich wahrscheinlich das nervöse Zucken der Funktion in diesem Intervall ergab. Der Schüler – oder wie ein gewisser Waabser Feuerwehrmann in immer schwelgerisch werdender Erinnerung an seine Studententage, sich vor Lachen kaum noch halten könnend, zu scherzen pflegte: „Der Örper1 (höhöhöhöhöhö)" – Jens war den Tränen nahe, als seine „Tüddelchen" (= Gänsefüßchen [Anm. der Redaktion]) von dem Mathestudierten nicht als legitime Abkürzung anerkannt wurden, sondern diesen vielmehr in absolute Verzweiflung trieben. Aber auch dem Rest des Kurses wurde in diesem Intervall immer deutlicher, dass man die anfänglichen Warnungen des Experten nicht einfach in den Wind hätte schlagen sollen. Aufgaben, die nicht nur äußerst schwierig, sondern auch unverständlich waren, wurden nämlich vom Referenten immer häufiger als „Schnee von Übergestern" abgetan.

Um so erstaunlicher war die Tatsache, dass dann doch alle Prüflinge – mehr oder weniger begeistert – die Abiturarbeit ohne allzu böses Erwachen überstanden. Natürlich ist diese Leistung vor allem unserem Dozenten zu verdanken, wobei man jedoch nicht den enormen Einsatz des Kurses auf einem Mathe-Fachtags-Marathon unterschätzen darf.

]7.4.00;6.6.00] In diesem Bereich näherte sich die Stimmungskurve zum allerersten mal – nicht ganz wider Erwarten – asymptotisch gegen das Maximum der Leistungskurve anderer Leistungs(?)-Kurse 2. Die Komplexität der Zahlen übertraf in diesem Zeitraum deutlich die Kursmotivation. Nur laute Durchhalteparolen wie z.B. „Och kommt Leute, wir müssen ’was schaffen" konnten den Kurs wecken und wurden immerhin noch mit einem müden (wortwörtlich) Lächeln belohnt...



Wir danken Ihnen, Herr Schleschka, im Namen aller Kursmitglieder nicht nur für die gute Vorbereitung auf die Prüfung, sondern auch für die nette Zeit und die heitere Atmosphäre in unserem Kurs.

Hauke & Lars



1 Das Wort „Örper" leitet sich für einen bestimmten Personenkreis vom mathematischen Begriff „Körper" ab. Ist bei einem Körper nämlich das Gesetz der Kommutativität nicht erfüllt, handelt es sich für die erwähnten Scherzkekse schlicht um einen „Örper", da sich das Weglassen des „Kommutativ-Ks" doch förmlich aufdrängt. So wird aus dem „Körper" ein „Örper". Dies ist für die oben genannten nicht nur logisch, sondern sogar noch witzig.

2 oder mathematisch gesprochen: lim Stimmung(t) = 0
t --> 6.6.2000