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Dem Lateinenthusiast und Vollblutrömer Jatzkowski bereiteteweder die ungewöhnlich hohe Schüleranzahl noch die Transportorganisationgroßes Kopfzerbrechen, verfügte er doch über genügend Erfahrung ausunzähligen früheren Romreisen. Um der vergnügungssüchtigen „Reise = Partyohne Ende"-Mentalität seiner Schüler vorzubeugen, wurde ein genauerTagesablauf mit vollem Programm, dessen Basis Schüler-Referate bildeten,festgelegt. Mit dieser bürokratisch einwandfreien Tageseinteilung und einemKloster als Wohnort mit Nonnen, die nur solides, abstinentes Leben in ihrerHütte akzeptierten, d.h. Bettzeit: 23.00.Uhr, glaubte Organisator Jatzkowskialles getan zu haben, um einen ordentlichen und zielstrebigen Ablauf seinerStudienfahrt zu gewährleisten und seine Schüler in Schach zu halten. Dochvergaß er zwei Unsicherheitsfaktoren, die es wagten, seineOrganisationsautorität in Frage zu stellen, und das auch noch ohne seineErlaubnis! Die italienischen Busgesellschaften erwiesen sich als chronischunpünktlich oder kamen überhaupt nicht. Offensichtlich vorhandenesImprovisationsvermögen - eine für den Klaus-Harms-Schuldirektor unbedingterforderliche Fähigkeit - ermöglichten Anführer Jatzkowski eine schnelleBehebung dieses Problems: Wir erreichten unsere Ziele und vor allem das Klosterdennoch, wenn auch nicht zur geplanten Zeit. Der zweite Umstand erwies sich alsbedeutend schwieriger zu lösen und manifestierte sich in der Person des zweitenLehrkörpers: Frau Horstmann. Herr Jatzkowski war entsetzt: Was war in dieseFrau geschossen? Zuhause, an seinem Gymnasium, eine motivierte, disziplinierteUntergebene erprobte sie in Rom auf einmal den Aufstand, eineEin-Frau-Revolution, die sein Projekt einer Studienfahrt ernsthaft in Gefahrbrachte. Nicht nur startete sie ganz ungehorsam Beiträge zu Monumenten, überdie er selbst gerade einen Bericht in epischer Breite darbieten wollte(praktischerweise stellte er sich fehlende Schülerfragen einfach selbst, umdann ausführlich zu antworten), sondern hielt sich auch des öfteren längerals geplant mit Schülern bei Sehenswürdigkeiten auf, so dass der Jatzkowsk’scheZeitplan durcheinandergewirbelt wurde. Und es wurde noch schlimmer: Sieverdeckte ihre revolutionären Umtriebe durch die Redewendung, dieoffensichtlich Vertrauen erwecken sollte:" Hier, immer zwei Schritte hinterihnen", auf die nervöse Frage des Chefs nach ihrer Anwesenheit. Dem folgteein Lachen, das manche sicherlich geblendet hätte. Doch nicht Direx Jatzkowski!Er durchschaute ihr Spiel und beschloss seinerseits die Rebellin, die mit Fragenwie: „Redet ER schon wieder?" Schüler in ihren Aufstand zu integrierenversuchte, auf den Pfad der Tugend zurückzubringen. Wie? Er hofierte siewährend des gesamten Romaufenthalts und war so charmant, dass sie gar nichtmehr anders konnte, als sich wieder in die Klaus-Harms-Rangordnung einzufügen.(oder war es Taktik?) Jedenfalls belegt das Bild zweier glücklicherLehrkörper, vereint unter einem Regenschirm am letzten Tag, Harmonie und Glückpur. Hach, wie romantisch... Herr Jatzkowski hatte es geschafft: Sein Zeitplanwurde eingehalten. Eingehalten wurde auch das Maß... von ihm. Dies bedeuteteein begrenztes Aufnehmen von hochprozentigem Averna und von Weißwein, auch inAnwesenheit von Schülern. Ja, die gab es auch noch. Was haben sie nicht alleszu sehen bekommen. Kein Wunder: Von 9.00.-18.00.Uhr sind sie jeden Tag durch Rommarschiert, haben alle wichtigen Sehenswürdigkeiten bewundert. Alle Eindrückejetzt hier zu schildern würde den Rahmen sprengen, doch war für jeden derunterschiedlichen Zeitinteressenten etwas dabei. Neben der Inspizierungmittelalterlicher Kirchen, gekennzeichnet durch unzählige Variationen vonNamenszusätzen des Standardnamens St. Maria, mit dem Höhepunkt Petersdom,besichtigten wir bekannte Orte aus der Kaiserzeit, das Kolloseum, Forum Romanumu.a.. Wahrlich höchst angenehm abgerundet wurden die aus langen Fußmärschemit vielen Eindrücken sowie anschließendem Einkaufsbummel bestehende Tagedurch gemütliches, feuchtfröhliches Versammeln der Gruppe im Klostergartenabends, ausreichend eingedeckt mit dem klostereigenen Weißwein. Ein manchmalaus umliegenden Fenstern hervorgebrachtes „Piano!" hinderte uns nicht anausgiebiger Kommunikation. Das Gerücht von einer nachts auf den Gängenstehenden Nonnenkolonne, die genau aufpasst, dass nicht eineGeschlechterbegegnung während der Schlafenszeit stattfindet, kann nichtbestätigt werden. Ein wirklich gelungene Studienfahrt ging nach acht Tagenleider viel zu schnell vorbei. Molto grazie per la buana traviata da nostragruppa!